widerspiegeln oder wiederspiegeln?
Richtig: widerspiegeln
Dem Verb »widerspiegeln« ein falsches e unterzujubeln ist einer der häufigsten Rechtschreibfehler im Deutschen. Dabei ist der Bestandteil »wider-« gar nicht so selten.
Das bekannte »wieder« mit ie trägt die Bedeutung »erneut«, »noch einmal« und kommt in Wendungen wie »Können Sie das bitte wiederholen?« oder »Auf Wiedersehen!« vor. Wenn nun ein Spiegel ein Bild wiedergibt, also erneut abbildet, wieso heißt es dann nicht »widerspiegeln«? Weil die Bedeutung von »widerspiegeln« nicht »erneut spiegeln« ist, sondern »gegenspiegeln« im Sinne von »zurückwerfen«.
Die Präposition »wider« steht immer für »gegen« oder »zurück«, was auch in den Wortverbindungen »Widerhall«, »Widersacher« und »Widerstand« deutlich wird. Auch im übertragenen Sinne kann ein Kunstwerk oder ein Text zum Beispiel eine Kunstströmung oder die Meinung des Autors »widerspiegeln«. Die verbreitete Ansicht, die übertragene Bedeutung werde »widerspiegeln« geschrieben und das reale Zurückwerfen des Lichts »wiederspiegeln«, ist falsch.
Etymologisch gehen übrigens sowohl »wider« als auch »wieder« auf dasselbe althochdeutsche Wort »widar« zurück, aus dem sich das mittelhochdeutsche »wider« entwickelte. Die beiden unterschiedlichen Bedeutungen wurden erst ab dem 17. Jahrhundert auch schriftlich unterschieden, indem man in die eine Form en zusätzliches e einfügte.
»Widerspiegeln« im Sinne von »zurückwerfen« ist ausschließlich ohne e korrekt. Will man hingegen tatsächlich ausdrücken, dass ein alter Spiegel – zum Beispiel nach einer intensiven Reinigung – wieder spiegelt, dann kann man das auch, muss das Verb aber wie in diesem Satz getrennt schreiben.