Kommasetzung
Die Kommasetzung in der deutschen Sprache bereitet schon Schülern in den ersten Schuljahren Probleme. Sie ist zwar logisch aufgebaut, sodass die Regeln jedem verständlich sind – und trotzdem bereitet die Umsetzung des theoretischen Wissens oft Schwierigkeiten. Einüben kann man die korrekte Kommasetzung durch häufiges Üben, aber auch, indem man sich die Regeln immer wieder vor Augen führt, um falsche Angewohnheiten aus dem Alltag nachzubessern. Denn die richtige Kommasetzung hinterlässt einen gebildeten und allgemein positiven Eindruck, weshalb sie auch dann noch wichtig ist, wenn die Schule Jahre zurückliegt.
Haupt- und Nebensätze
Am leichtesten gestaltet sich die Kommasetzung bei Haupt- und Nebensätzen. Dazu muss zuerst der Hauptsatz bestimmt werden. Ein Satz ist aus mehreren Satzteilen aufgebaut. Nur einer davon ergibt einen Sinn, wenn er alleine steht – dies ist der Hauptsatz, alle anderen sind Nebensätze.
Der einfachste Satz besteht aus dem Hauptsatz und seinem Nebensatz. Diese werden durch ein Komma getrennt, das eine natürliche Atempause darstellt und die beiden voneinander unterscheidet. Ein Beispiel für eine solche Konstellation könnte lauten: “Ein Hauptsatz ist ein Satz, der strukturell unabhängig ist”. Die gleiche Regelung gilt für Hauptsätze, auf die mehrere Nebensätze folgen, oder solche, bei denen der Nebensatz an erster Stelle steht und der Hauptsatz folgt, beispielsweise: “Dass die Autobahn voll sein würde, konnte ich nicht ahnen”.
Keine Kommata werden gesetzt, wenn Haupt- und Nebensatz durch beiordnende Konjunktionen verbunden sind. Zu diesen gehören Worte wie und sowie oder. Der Satz “Hauptsätze können alleine stehen und Nebensätze nicht” ist ohne das trennende Komma richtig – dessen Funktion übernimmt die Konjunktion. Folgt darauf ein weiterer Nebensatz, so muss dieser jedoch nach den obigen Kommaregeln behandelt werden.
Infinitivgruppen
In der deutschen Sprache kommen Verben manchmal im Infinitiv vor. Dies stellt einen Sonderfall dar und wirkt sich auch auf die Kommasetzung in diesem Fall aus.
Notwendig ist das Komma, wenn im Satz eine Konstellation aus Infinitiv, “zu” und einem weiteren Wort vorkommt. Diese wird durch das Komma vom Rest des Satzes abgetrennt – es stellt auch hier eine natürliche Atempause dar. Im Satz “ein Mann muss einer Frau das Gefühl geben, wichtig zu sein” ist das Komma beispielsweise richtig gesetzt. Die gleiche Regelung gilt auch für Sätze, in denen die Infinitivkonstellation nicht einziges Bestandteil des Nebensatzes ist. “Er startete den Motor, ohne auf die anderen zu warten” stellt einen solchen Fall dar. Dabei wird der zur Infinitivkonstruktion gehörende Nebensatz vom Komma erfasst.
Einen Sonderfall bilden Sätze, die aus einem Infinitiv und “zu können” bestehen. Hier kann man ein Komma setzen, zwingende Voraussetzung ist es allerdings nicht. “Sie hatte sich dafür entschieden(,) zu kündigen” ist in beiden Varianten grammatikalisch korrekt.
Einschübe und Nachträge
Mitten im Satz kann es vorkommen, dass man etwas Wichtiges noch anmerken möchte – dies kann man in Form eines Einschubs oder Nachtrags verwirklichen. Um die korrekte Kommasetzung zu ermitteln, kann es helfen, auf die Sprachmelodie zu achten. Diese verrät eindeutig, an welcher Stelle das Komma gesetzt werden muss.
Ein Einschub wird durch Kommata komplett vom restlichen Satzgefüge abgetrennt. “Wir waren gerade unterwegs, es war Sommer, und uns war schrecklich heiß” trennt in diesem Fall den Einschub, “es war Sommer”, vom restlichen Satz. Das entspricht einer Atempause, die der Sprecher an dieser Stelle einlegen würde, und gestaltet im Schriftdeutschen den Satz deutlich übersichtlicher.
Ein Nachtrag ist ein ergänzender Satz, der als abschließende Erklärung an ein Satzgefüge angehängt wird, das an sich abgeschlossen ist. Der Nachtrag wird durch ein Komma vom bisherigen Satz abgetrennt – unabhängig davon, wie sich dieser gestaltet. “Ich mag Pferde, vor allem Schecken” ist ein einfaches Beispiel. Die Erklärung, dass vor allem die Schecken dem Sprecher gefallen, ist der Nachtrag.
Aneinanderreihung
Die Aneinanderreihung beschreibt in erster Hinsicht Wörter, die ohne Konjunktion in Zusammenhang miteinander gebracht werden. Bis auf den letzten Punkt in der Liste, der sich durch eine beiordnende Konjunktion vom restlichen Satzgefüge abhebt, werden alle einzelnen Bestandteile durch Kommata getrennt. “Wir stiegen ein, warteten auf einen Nachzügler und fuhren los” besteht aus zwei Punkten, die aneinandergereiht werden, sowie dem Schlusselement.
Durch Konjunktionen verbundene Sätze werden nicht durch Kommata getrennt. Das gilt nicht nur für einzelne Wörter wie und, oder, sowie, sondern auch für getrennte Konstrukte wie sowohl … als auch. “Weder hier noch da habe ich etwas gefunden” ist ein kurzer Beispielsatz – die Regelungen gelten auch dann noch, wenn zwischen den Konjunktionen lange Satzteile liegen.
Entgegenstellende Konjunktionen setzen den Einsatz des Kommas zwingend voraus. Zu ihnen zählen Wörter wie aber, sondern, dennoch. “Ich habe alles versucht, aber ich werde einfach nicht glücklich damit” ist ein Beispiel für den Einsatz solcher Konjunktionen. Man kann sich dabei wieder an der Sprachmelodie orientieren. Dabei wird an der Stelle des Kommas eine kurze Atempause gemacht.
Einen Sonderfall stellen zwei aufeinander folgende Adjektive dar, die nicht gleichwertig sind. Es handelt sich dabei um Konstruktionen, die nicht durch Kommata getrennt werden – vorausgesetzt, sie sind nicht verneint. Die “neue deutsche Welle” kommt beispielsweise ohne die Trennung durch Kommata zurecht. Beide Adjektive beschreiben in diesem Fall die Welle und bilden ein feststehendes Konstrukt, das zusammenbleibt. Bei der Verneinung hingegen gestalten sich die Regelungen hingegen anders. Während die “neue umweltfreundliche Technologie” richtig wäre, gestaltet es sich bei einer Verneinung anders. Korrekt wäre die “bisherige, nicht umweltfreundliche Technologie”.